Counter Narco-Terrorism Alliance
 

Deutschland im Strudel des Glaubenskriegs im Nahen Osten.


2017-07-06 / 2017-07-24

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Es wird von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, dass Deutschland im Glaubenskrieg der Moslems weder eine konkrete politische Position einnehmen soll, noch sich politisch aktiv einbringen kann. Wird die Sachlage genauer analysiert muss festgestellt werden, dass beide Aussagen zu überdenken sind – denn Deutschland steckt schon lange unwissend mitten im Geschehen.

Der Glaubenskrieg in der islamischen Welt ist ein seit Mitte des 18. Jahrhundert wiederkehrender Konflikt und ist eng mit der Gründung des ersten Saudi-Arabischen Staates, der Nachbarschaft zum und der tiefen Feindschaft mit dem Iran verbunden. Beide Länder vertreten unterschiedliche, in Teilen konträre Auslegungen des Islam. Die strenggläubigen wahhabitischen Sunniten aus Saudi-Arabien sehen die säkularen Schiiten des Iran als Ungläubige an. Beide Staaten suchen seither mithilfe der Gelder aus dem Ölgeschäft ihre Glaubensrichtung als den richtigen Islam in die Welt zu „exportieren“.

Zudem unterstützt der Iran schiitische Glaubensrichtungen und Gruppierungen in anderen Ländern. Hierzu gehören die Alawiten in Syrien, Huthis im Jemen, Hisbollah im Libanon, Muqtada as-Sadr im Irak sowie Hizb-e Wahdat-e Islami und Harakat Islami in Afghanistan. Um die Balance in der Region zu erhalten, unterstützt Saudi-Arabien den IS, IS Chorasan (auch ISK genannt: IS Khorasan) und die Wahhabitische Bewegung. Beide Seiten streben danach, die Rolle des Anderen in der muslimischen Welt zu untergraben. Dies führte dazu, dass der Iran die sunnitische Minderheit unterdrückt und Saudi-Arabien setzt die Schiiten im Subkontinent dauerhaft Repressionen aus.

Ende der 70-er Jahre, im Zusammenhang mit der Iranischen Revolution, bis in die 80-er verlagerte sich der Glaubenskrieg in das von der Sowjetunion besetzte Afghanistan. Mit hunderten Millionen Dollar wurde in Afghanistan ein Stellvertreterkrieg eingerichtet. Für den Iran standen Hizb-e Wahdat-e Islami und Harakat Islami an der Front, für Saudi-Arabien die Salafisten und der Islamic Center. Nach dem Abzug der Sowjetunion verblieben die muslimischen Kriegsgruppen in Afghanistan, die das Land weiterhin beherrschen. Diese Kriegsgruppen werden weiterhin von den Opponenten finanziert. Die Gelder fließen über die Botschaften in Kabul und finanzieren die jeweiligen gegnerischen Madrasa Schulen für islamische Wissenschaften, Waisenhäuser, Universitäten, Fernsehstationen, Radiostationen, Verlage, Bibliotheken, Think-Tanks, Kultur- und Business-Centers. In den auf diese Weise finanzierten Moscheen werden die islamischen Dogmen der Kontrahenten gepredigt.

Über Jahrhunderte haben Schiiten und Sunniten friedlich und respektvoll miteinander in Afghanistan gelebt. Der Krieg der Iraner und Saudi-Arabien brach diese starke, gewachsene Gemeinschaft Afghanistans nur zeitweise auf. Doch die andauernde Krise mit hoher Armut, Analphabetismus, Rückständigkeit, ethnische Spannungen und Stammesstrukturen haben den Menschen zugesetzt. Der Iran und Saudi-Arabien zetteln gerade wieder einen neuen Glaubenskrieg in Afghanistan an.

Die politischen und kriegerischen Unruhen in Syrien werden durch die Iranische Revolutionsgarde und aus Afghanistan rekrutierten Schiiten im Kampf gegen die Rebellen weiter angeheizt. Sie sollen die Saudi-Arabischen Bemühungen, einen Regimewechsel in Syrien herbei zu führen, unterbinden. Als Vergeltungsmaßnahme stiftete Saudi-Arabien den IS Chorasan zu Gegenmaßnahmen an. Saudi-Arabien möchte, unter der Zuhilfenahme des IS Chorasan, Hass in Afghanistan und Südasien und den Iran sähen.

Der IS Chorasan bekannte sich im Verlauf von 2016 zu mehreren Selbstmordanschlägen, die sich ausschließlich gegen Menschen schiitischen Glaubens richteten. Das Ziel des Anschlags Ende Juli war die Demonstration der Junbish Roshnai Bewegung gegen eine Strom-Trasse durch ihr Gebiet und forderte über 20 Tote sowie 250 Verletzte. Mindestens 14 Tote und 36 Verletze forderte der Anschlag am Vorabend des schiitischen Aschura-Fests auf den Schrein im Viertel Kart-e Sakhi in Kabul. Im November forderte der Anschlag auf die schiitische Moschee und Kulturzentrum Baqir-ul-Olum 32 Tote und 80 Verletzte. Diese Vorfälle sind ein klares Indiz dafür, dass Saudi-Arabien die schiitische Gemeinschaft in Afghanistan und der Region zerbrechen will. Aktuelle Geheimdienstinformationen besagen, dass der IS Chorasan vom Süden und Osten Afghanistans in den Norden und Westen strebt, um weitere brutale Anschläge gegen die Schiiten im Land sowie im Iran und Zentralasien durchzuführen.

Folgerichtig sollten die Religionsschüler der schiitischen und sunnitischen Gesellschaft der Muslime in Afghanistan zusammen finden. In einem gemeinsam verfassten Dekret, übergeben an die Weltengemeinschaft, sollten die Vorgehensweisen von Iran und Saudi-Arabien als unreligiös verurteilt werden. Die Aktivitäten dieser Länder haben keinen Platz in der afghanischen Gesellschaft, sie widersprechen den nationalen Interessen sowie der nationalen Sicherheit des Landes. Die Ambitionen von Iran und Saudi-Arabien werden Afghanistan ansonsten in Schutt und Asche legen.

Deutschland steckt unbewusst mitten im Konflikt

Noch ist Saudi-Arabien ein Großkunde der deutschen Rüstungsindustrie. 2016 betrug das Exportvolumen etwa 529 Millionen Euro – viel für Deutschland, obwohl es nur etwa 5% der Rüstungsausgaben von Saudi-Arabien sind. Dem Iran und den Schiiten sind diese Rüstungs-Deals sehr wohl bekannt und auch ein schmerzlicher Dorn im Auge. Damit exponiert sich Deutschland in diesem Krieg, nimmt Partei und wird der Logik folgend auch Ziel für Terroranschläge – was uns der Dezember 2016 schmerzlich erfahren lassen hat. Auch wird die neutrale Haltung des Landes grundsätzlich in Frage gestellt.

In dieser Situation könnte Deutschland sich durch das Zusammenbringen der schiitischen und sunnitischen Gesellschaft der Muslime in Afghanistan, Deutschland und europaweit wieder in eine neutrale Position bringen. Zum Wohle der muslimischen Gesellschaften, Afghanistans und auch in Deutschland.

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