Counter Narco-Terrorism Alliance
 

Ein Konflikt zwischen China und Indien bahnt sich an.


2017-07-11

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Seit einiger Zeit suchen China und Indien den jeweiligen Nachbarn in seine Schranken zu verweisen. Die Ursache ist die Belt and Road Initiative (BRI, auch B&R und One Belt, One Road OBOR): Diese Initiative wird auch das Projekt des Jahrhunderts für China genannt und setzt China in das Zentrum einer neuen Pan-Eurasischen Wirtschaftsordnung – unterstützt von rund 60 Ländern und internationalen Organisationen.

BRI & NSTC Zoom

Dieses gigantische Projekt beinhaltet 6 verschiedene Korridore, wovon zwei Teilprojekte das Herzstück darstellen: Der Silk Road Economic Belt (SREB, auf Deutsch auch „Neue Seidenstraße“ genannt) und die 21st-Century Maritime Silk Road (MSR). Der SREB besteht grundsätzlich aus den Ländern entlang der ursprünglichen Seidenstraße durch die rohstoffreichen Länder Zentral-Asiens, danach West-Asien, den Mittleren Osten und Europa. Bei der MSR handelt es sich um die zum SREB komplementären Schifffahrtsstraßen. Das atemberaubende Projekt umfasst die Schifffahrtsstraßen in der chinesischen Südsee, den Südpazifik und den gesamten indischen Ozean bis hinein in das Mittelmeer.

Indien plant im Gegenzug den Nord-Süd Transport-Korridor (NSTC), der von den USA und Japan unterstützt wird. Die Zielvorstellungen sind die Verbindung zwischen Indien, Zentral-Asien, Kaukasus und Europa über den Iran. Damit will Indien sich enger mit der Infrastruktur und der Wirtschaft im eurasischen Raum verbinden.

Der NSTC ist ein multimodaler, aus Straßen, Schienen und Schiffsrouten bestehender Handelskorridor. Er verbindet den Indischen Ozean und den Persischen Golf mit dem Kaspischen Meer, mit den Häfen Jawaharlal Nehru und Kandla in Westindien sowie Bandar Abbas in Iran. Danach folgen Straße und Schiene in den Norden durch Baku, Aserbeidschan, und weiter durch den Kaukasus bis nach Moskau – und darüber hinaus. Die neue Bahnlinie Kasachstan-Turkmenistan-Iran bildet hierzu einen zweiten, ergänzenden Nord-Süd-Korridor. Ein dritter Korridor, der den Hafen in Chabahar mit Afghanistan verbindet, erweitert den NSTC.

Weitere Infrastrukturprojekte ergänzen diese Korridore: Die Straße aus der Mitte Afghanistans nach Indien, das Kaladan Multi-Modal Transit Transport Project zwischen Indien und Myanmar, die Trans-Asian Railway (TAR – von Dhaka/Bangladesch bis nach Istanbul/Türkei) und die India-Myanmar-Thailand Trilateral Schnellstraße. Weitere könnten hinzugenommen werden, beispielsweise der Hafen von Trincomalee in Sri Lanka und der Delhi-Kabul Luftkorridor – beide dazu geeignet, den chinesischen Korridor nach Pakistan des BRI zu umgehen.

Auf der Suche nach Vorherrschaft in der Region mittels Infrastrukturprojekten, provozieren sich China und Indien

Das Stockholm International Peace Research Institute SIPRI warnte in seinem Bericht „The Silk Road Economic Belt“ von Anfang 2017 davor, dass sich Spannungen zwischen China und Indien aufbauen könnten. Mittlerweile wird darüber spekuliert, ob Indien etwa 15'000 Soldaten nach Afghanistan entsenden will, um die Bedrohung durch Pakistan einzudämmen und die Vorherrschaft in dieser Region sicher zu stellen. Gleichzeitig wird das latent instabile Verhältnis an der indisch-chinesischen Grenze auf die Probe gestellt, mit gegenseitigen Schuldzuweisungen über Aggressionen an der Grenze.

Diese Vorgänge wecken bei beiden Ländern schlechte Erinnerungen: Die Souveränität über mehrere Landstriche in der indisch-chinesischen Grenzregion gab und gibt immer wieder Anlass zu Disputen. Das westlichste Gebiet Aksai Chin wird von Indien als Teil der Regionen Jammu, Kashmir und Ladakh angesehen, werden aber als Teile der autonomen chinesischen Region Xinjiang durch diese kontrolliert und verwaltet. Das andere große, östlichste, Gebiet Arunachal Pradesh liegt südlich der sogenannten McMahon-Linie. Diese Linie wurde 1914 während der Simla Convention zwischen British-India und Tibet festgelegt, aber von den Chinesen nie anerkannt – was 1962 zum Indisch-Chinesische Grenzkrieg geführt hatte.

1996 wurden diese Streitigkeiten bei gelegt. Doch mit der Stationierung hochentwickelter Militärtechnologien der Inder in der Grenzregion – mit der Billigung der Amerikaner und Japaner – entflammten sich die Streitigkeiten wieder. Während China den Indern ein aggressives Verhalten vorwirft verteidigt Indien die Gegenmaßnahmen damit, dass China zuvor die Aggressionen geschürt habe, indem mehrere militärische Einheiten an der Grenzlinie postiert worden waren.

Die schwierige Situation der kleinen Länder

Den Binnenländern in den Regionen dieser Projekte – wie Afghanistan – stellen sich große Herausforderungen. Diese Länder werden irgendwann in den Kampf zwischen Beijing und Delhi um die Vorherrschaft in diesen Regionen involviert. Einerseits ist da der Pakt zwischen Indien, Amerika und Japan und auf der anderen Seite jener zwischen China, Pakistan und Russland: Die Binnenländer müssen sich irgendwann zwischen diesen beiden Blöcken entscheiden.

Wenn sich beispielsweise Afghanistan für die Initiative der Chinesen entscheiden würde, ständen die strategischen Partnerschaften mit Amerika, Indien und Japan auf dem Spiel. Afghanistan ist vollständig von den USA und in gewissen Teilen auch von Indien abhängig. Ohne die Unterstützung aus den USA würde die Regierung und Kabul innert kürzester Zeit kollabieren.

Kommt hinzu, dass die USA und seine Verbündeten gemäß nachrichtendienstlicher Informationen der Belt and Road Initiative der Chinesen sehr kritisch gegenüber stehen. Denn China soll im Rahmen dieser Initiative die Entdollarisierung der Region und darauf der Weltwirtschaft anstreben – was die Außenpolitik der USA empfindlich treffen würde. Sollte Afghanistan sich für die Unterstützung des indischen Projekts entscheiden, sind die Sicherheitsprobleme aufgrund der Vergeltungsmaßnahmen des Paktes von China, Pakistan und Russland vorprogrammiert. Diese würden mithilfe der politischen Stellvertreter oder allenfalls gar mit militärischen Mitteln das von Washington und Delhi gestützte Regierung in Kabul stürzen wollen.

In dieser Situation müsste Kabul wohlüberlegte Diplomatie einsetzen, um eine Balance zwischen diesen Blöcken zu erreichen. Kabul fehlt jedoch die diplomatische Erfahrung, die nationalen Interessen des Landes bewahren zu können und gleichzeitig die Beziehungen zu diesen gigantischen geoökonomischen und geopolitischen Initiativen aufzubauen. In dieser Situation ist eine neutrale, dritte Partei gefordert, welche in der Art einer Reisediplomatie die nationalen Interessen Afghanistans sicher stellt und gleichzeitig Stabilität zwischen diesen Blöcken anstrebt.

Während Deutschland sich aktiv für ein eigenständiges Afghanistan einsetzt, wird es durch seine Verbindungen zu den USA und den Waffengeschäften im Nahen Osten nicht als neutral angesehen. Die Counter Narco-Terrorismus Allianz sieht daher in der Schweiz eine geeignete Vermittlerin für Afghanistan. Die Schweiz ist bekannt für ihre Neutralität und die Erfahrung aus dem Beilegen von Streitigkeiten zwischen Ländern. Die Schweiz und seine Diplomaten haben über die Jahrzehnte unzählige Gespräche zwischen Regierungen und Nichtregierungsorganisationen ermöglicht und begleitet.

Afghanistan muss seine Ziele in der Außenpolitik überdenken und neu formulieren, um die nationalen Interessen und jene der strategischen Partner wahren zu können.


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